Logistikzentrum Brautlach-Süd – Planungsreihenfolge und planlose Versiegelung ist Bürgern ein Dorn im Auge

Karlskron Die Rücknahme des Gemeinderatsbeschlusses, dass ein gemeinsamer Planungsverband der beiden Gemeinden Karlskron und Baar-Ebenhausen bzgl. der Planung des „Logistikzentrums Brautlach Süd“ gegründet werden soll muss per Beschluss durch die beiden Gremien aufgehoben werden. Dies wurde als Forderung der Bürger deutlich, die sich am Samstag abend im Gasthaus Haas zur Gründungsversammlung der Bürgerinitiative gegen das geplante Logistikzentrum formiert hatten. Sachlich orientiert brachten die Bürger, moderiert vom Grillheimer Ludwig Eichner, ihre Bedenken zum Ausdruck und suchten einen konstruktiven Dialog mit den teilweise anwesenden Gemeindeverantwortlichen. Das Bestreben der BI sei es keineswegs, so Eichner, auf ein Bürgerbegehren hin zu arbeiten. Eine Spaltung Karlskrons wie vor ein paar Jahren im Scherm-Projekt sei nicht beabsichtigt. Vielmehr wolle man durch konstruktive Gespräche zu einem frühen Zeitpunkt versuchen, eine Lösung ‚für Karlskron‘ zu finden.

Beschlussrücknahme kann frühestens im Februar erfolgen

Als Bürgermeister einer der beiden Gemeinden erklärte Ludwig Wayand, dass dies so schnell nicht einfach auf die Tagesordnung der Sitzungen (beide Gemeinden haben am Montag bzw. Dienstag ihre nächste öffentliche Besprechung) genommen werden könnte, signalisierte jedoch – ähnlich wie seine Karlskroner Gemeinderatskollegin Christa Froschmeir – dass man auf der jeweiligen Gemeinderatssitzung das Thema ansprechen bzw. besprechen wolle. Man habe durchaus den Wunsch der Bürger gehört und zur Kenntnis genommen und werde diesen auch respektieren. Auch wenn bislang noch keine Entscheidung getroffen worden sei, sondern man lediglich Voruntersuchungen vornehmen und offene Fragen klären wollte, erklärte Wayand noch einmal, dass man sich aktuell in einer frühen Planungsphase befunden habe, in der zwar der Planungsverband in beiden Gremien verabschiedet, selbst jedoch seine Arbeit noch nicht aufgenommen – sich also noch nicht konstituiert – habe.

Aus sicht des BUND Naturschutz, vertreten durch Rechtsanwältin Brigitta Winkelmann, sei auf dieser Fläche eine derartige Gewerbeansiedlung und die damit verbundene Versiegelung der Fläche eig. nicht hinnehmbar und sollte möglichst überdacht bzw. vermieden werden. Die Juristin, auch als Vertreterin des Grünen-Ortsverbandes Baar-Ebenhausen auf der Versammlung, appellierte an die Gemeindeverantwortlichen, möglichst eine diesbezügliche Überplanung der Fläche zu vermeiden, da man auch landwirtschaftliche Flächen benötigen würde. Denn irgendwo müssten die Dinge ja angebaut werden, die man in den täglich notwendigen Lebensmitteln benötige.

Hochwasser- oder Verkehrskonzept fehlt den Bürgern

Die Thematik des Hochwassers am Ziegelgraben sprach der Grillheimer Helmut Leimbeck an. Bei mehrtägigem Regen sei der Graben schon jetzt randvoll, das Wasser hätte kaum Möglichkeiten zu Versickern, würde die Felder überfluten. Wenn nun noch die knapp 16 Hektar versiegelt würden, werde sich die Situation für die Grillheimer Bürger noch deutlich verschlechtern. Daher der Vorschlag Leimbecks im Rahmen der erhofften Dialoge mit der Gemeinde hier bei einer möglichen Gewerbeüberplanung der Fläche eher auf kleinere Betriebe zu setzen und ein mögliches eigenes Regenauffangbecken einzuplanen. Die Hochwassersituation selbst (im Ort Karlskron) müsste bereits vor dem Ortsteil Aschelsried gelöst werden. Ergo müsste vor einer Planung einer Gewerbefläche „Brautlach“ erst einmal die Hausaufgabe gemacht werden und ein schlüssiges Konzept bzgl. Hochwasserschutz entstehen, sagte Leimbeck.

Lärmauswirkungen und Bauvorhaben erläuterten Wolfgang Thalmeier, Dieter Theisen und Helmut Schwalm. Von 160 LKW-Bewegungen pro Nacht sprachen die BI-Initiatoren anhand des Gutachtens, welches der Investor Mayr Bau vor einigen Wochen vorgestellt hatte. Die Lärmrichtwerte von 55 dba tagsüber und 40 dba nachts würden, falls alle Vorgaben eingehalten würden, knapp eingehalten. Den Bürgern selbst war neben dem Lärm aber insbesondere auch die Zufahrt – für einige Ortsteile wie Josephenburg wäre eine Verbindungsstraße zum Gewerbegebiet – mehr Be- denn Entlastungsstraße. Aber: Um Gewerbeflächen auszuweisen und zu besiedeln müsste es ein schlüssiges Verkehrskonzept für die gesamte Gemeinde geben. Denn die Arbeitskräfte, die in den dort möglicherweise geschaffenen Stellen ihre Jobs hätten, müssten ja auch irgendwo wohnen. Und um als Gemeinde hier auch zu profitieren über die Einkommenssteuer müssten die anfallenden Verkehrsbewegungen auch (verträglich) zu bewältigen sein.

Bürgermeisterkandidaten eher gegen das Logistikvorhaben

Neben den Bürgern selbst und den Verantwortlichen, die die Bürgerinitiative initiiert hatten, kamen auch die potentiellen Bürgermeister Stefan Kumpf (CSU), Thomas Krammer (SPD), Kurt Bachhuber (FW) und Martin Wendl (Grüne) zu Wort um kurz zu erfahren, welchen Standpunkt diese zum aktuellen Konkretprojekt hätten. Kumpf erklärte, selbst unterschrieben zu haben und sprach sich gegen die Logistik-Überplanung aus und dagegen, dass die Gemeinde Karlskron ihr „Filetstück“ – das Grundstück auf Karlskroner Flur – vorschnell verkaufe. Thomas Krammer lehnte eine gewerbliche Ansiedlung nicht kategorisch ab, sprach jedoch davon, dass dies in Form eines schlüssigen Konzeptes passieren müsste. In eine ähnliche Richtung gingen aus die Ausführungen Kurt Bachhubers (FW), der vor allem auch will, dass kein Keil in die Bevölkerung Karlskrons getrieben würde. Grünen-Kandidat Martin Wendl erinnerte sich an die Geschehnisse rund um das Scherm-Gelände in Probfeld. Daher sei es wichtig, mit wachem Auge auf die Vorgänge zu blicken. Kleinere Gewerbe speziell aus der Region seien das, was für ihn erstrebenswert sei, auch aus Gründen der Nachhaltigkeit und der möglichen Steuereinnahmen. CLK-Spitzenkandidatin Christa Froschmeir sieht vor allem eines: Redebedarf. Denn der Bürgerwunsch sei klar, das Thema jedoch bis nach der Wahl auf Eis gelegt. Auch wenn die langjährige Gemeinderätin aufgrund des Volkesvotums nicht davon ausgeht, dass der neue Gemeinderat einfach so mit den Planungen weitermachen würde, ohne die Bürger zu hören und deren Wunsch zu berücksichtigen.

Neben der Rücknahme des Beschlusses in den beiden Gemeinderatsgremien Baar-Ebenhausen und Karlskron, einen Planungsverband zu gründen ist die zweite zentrale Forderung der Bürgerinitiative, die Fläche umzuwidmen weg vom Industrie- hin zum Gewerbegebiet. Aktuell ruht das Vorhaben des Neuburger Investors Mayr Bau, auf dem Grundstück an der B13 ein Logistikzentrum zu überplanen. Die 15,6 Hektar große Fläche verteilt sich auf den Fluren von Karlskron (Gemeinde) und Baar-Ebenhausen (Bürger), weshalb man um die interkommunale Zusammenarbeit mit diversen Behörden zu beschleunigen, einen Planungsverband ins Leben rufen wollte.