Trotz Leistungssport zum Schulabschluss

Berchtesgaden Lernen unter Einsatz von Computern und Internet wird immer wichtiger. Gerade im Hinblick auf die vielen Ausfallzeiten, die man gerade an Sportschulen (Gymnasien) wie der Christophorusschule in Berchtesgaden hat. Diplon-Sportwissenschaftler Ingo Seidelmeier und Dr. Andreas Schlattmann von der Bundeswehruniversität in Neubiberg bei München stellten deshalb im Rahmen des 3. Internationalen Symposiums „Schulen für Leistungssportler im internationalen Vergleich – Neue Tendenzen zur Leistungsoptimierung“ vor. Das Pilotprojekt „Virtuelles Klassenzimmer“ am Gymnasium der Christophorusschule wird seit Januar 2000 vorbereitet. Langläuferin Evi Sachenbacher konnte bereits im vergangenen Schuljahr mit Unterstützung eines internettauglichen Computers ihr Abitur – als Schulbeste – abschließen.
Gerade in der heutigen Zeit sei es wichtig, das die Schüler rechtzeitig auf die neuen Medien vorbereitet würden, erklärt der Gesamtpädagogische Leiter des Asthmazentrums Berchtesgaden, Thomas Schröder-Klementa. Gerade für sie als Sportgymnasium sei dies zudem eine gute Möglichkeit, die hohen Ausfallzeiten der Leistungssportler zu kompensieren aber auch die Internats- und Externschüler zu informieren. Lösung sei ein so genanntes „Virtuelles Klassenzimmer“, bei dem man moderne Unterrichtswege und veränderte Unterrichtsmethoden ebenso einsetzt, wie digitalisierte Arbeitsmaterialien. Allerdings sei ein Computer kein Allheilmittel, so Schröder-Klementa. Gerade Lehrer hätten oftmals auch ein wenig Angst vor dieser veränderten Unterrichtsform mitInternetcomputern. Begründet ist dies damit, dass sie den Schülern am Computer nicht unterlegen sein wollen.

Lehrer auch im Trainingslager mit dabei

Am Beispiel einer fiktiven Skiläuferin namens Regina erklärte Andreas Schlattmann die Zielsetzungen dieses Projektes: Die Skifahrerin erhält während des Trainingslagers digitalisiert Arbeitsmaterial über E-Mails oder kann auf die auf dem Schulserver abgelegten Informationen zugreifen. So müssten die Leis-tungssportler nicht mehr schwere Unterlagen mitnehmen, sondern nur noch einen Computer und ein Telefon. Die Lehrer oder die Mitschüler können mit dem Leistungssportler dann zeitversetzt – längerfristig auch sofort – Kontakt aufnehmen und so auch kontrollieren, ob und was während des Trainingslagers gelernt wird. Der Lehrer kann beispielsweise Aufgaben und Fragen ins Internet stellen oder die Mitschüler im Team Fragen oder Projekte bearbeiten. Der interaktive Unterricht über Computer und andere digitalisierte Medien ermögliche auch, dass die Schüler ihre Abwesenheit kompensieren könnten.
Projektleiter Ingo Seidelmeier verglich die technische Ausstattung vom Januar mit dem Heutigen. Anfang des Jahres hatte man für Schüler kaum Möglichkeiten, in der Freizeit mit dem Internet zu arbeiten. Inzwischen hat man ein Internetcafé geschaffen, in dem auch die Internatsschüler die Möglichkeit haben, soziale Kontakte zu pflegen und mit ihren im Trainingslager befindlichen Mitschülern Kontakt aufzunehmen.

Leistungssportler und ihre mentale Fitness

Bezungspersonen sind gerade für Nachwuchs- aber auch für Leistungssportler wichtig, stellt Rolf Frester, Privatdozent an der Universität in Leipzig schon gleich zu Beginn den Hauptpunkt heraus: „Mentale Fitness ist die Voraussetzung für den Erfolg. Der Erfolg hilft seinerseits wieder, die mentale Fitness auszuprägen.“ Oftmals werde beim Training allerdings übersehen, auf den jeweiligen Sportler selbst einzugehen, ihn alters- und typgerecht zu betreuen. Trainer würden oft nur nach eigenen langjährigen Erfahrungen arbeiten und die psychologische Betreuung in ihren verschiedenen Phasen außen vor lassen. Dabei haben sowohl Trainer als auch andere Bezugspersonen wesentlich mehr Einfluss auf den Sportler, wie oft angenommen wird – sowohl im positiven, erfolgreichen als auch im nicht erfolgreichen Sportlerdasein.

Vorbildfunktion nicht unterschätzen

Den Verein Oberwiesenthal mit Skispringer Jens Weißfolg führte Frester als positives Beispiel an. In seinem Sog hätten sich die jungen Sportler sportlich entwickelt. Die Nachwuchs-aktiven hätten aber auch geschaut, wie die Vorbilder im sozialen Bereich umgehen, wie sie leben und wie sie sich in der Freizeit verhalten. Negative Beispiele wie Basler und Effenberg, die auch einmal in Kneipen unterwegs sind, würden von den Nachwuchssportlern oft zu unkritisch beleuchtet. Empfehlen kann Frester, dass sich die Sportler mit den eigenen sportlichen Anforderungen identifizieren können. Die soziale Bezugsperson sollte zudem Mitglied des Betreuerteams des Sportlers sein.