Katholische Kirche der Diözese Augsburg steht vor großen Veränderungen

Kommentar von Ramona Schittenhelm
Kommentar von Ramona Schittenhelm

Veränderungen stehen bevor in der katholischen Diözese Augsburg. So teilt es deren Bischof Konrad Zdarsa in seinem Hirtenwort zur Fastenzeit mit. Die Minimierung der Pfarreienzahl aufgrund der sinkenden Priesterzahlen ist dabei nichts Neues. Neu ist vor allem, wie sich der Augsburger Oberhirte die Umsetzung vorstellt. Entscheidungsgewalt und Finanzhoheit sollen zentralisiert werden. Und das wird sicherlich einige Probleme mit sich bringen, wie man zuletzt und noch aktuell an der Europäischen Union (EU) feststellen kann. Einige wenige finanzieren das große Ganze. Und darauf läuft wohl auch das Konstrukt der Pfarreienzusammenlegungen auch in finanziellen Dingen hinaus. Denn: die Kirchenstiftungen bzw. Kirchenverwaltungen vor Ort sollen quasi im Zusammenspiel mit der Pfarreienzusammenlegung ebenfalls abgeschafft werden.

Nehmen wir ein Beispiel zur Verdeutlichung: Die Pfarreien A und B sollen zu einer Verschmolzen werden. A ist als Ort größer und hat formal mehr Gläubige und wird damit Hauptsitz der Pfarreiengemeinschaft. B hat aber beispielsweise einen eigenen Forst, komplett renovierte alte und wertvolle Kirchengebäude sowie ebenso wertvolle Kulturgüter. Aufgrund der bisherigen und früheren Spendenbereitschaft der dortigen Bevölkerung hat B deutliche Rücklagen, während A immense Ausgaben für sanierungsbedürftige Gebäude wie Kirchen, Pfarrheime etc. vor sich hat und die Eigeninitiative der Bevölkerung und deren Zusammenhalt eher mäßig ist. Im Zuge der Zusammenlegung Europas zur EU hat man bereits festgestellt, dass es Probleme mit sich bringt, wenn wenige viel finanzieren müssen. Ein wenig Fingerspitzengefühl wäre daher sicherlich hilfreich, da es in vielen Orten letztlich auch um die Finanzierung von Kindergärten, Krangenhäusern und Altenheimen geht, die durch die regionalen Kirchenstiftungen mit getragen werden.

Es ist sicherlich richtig: Kirche sollte vor allem Glauben als zentralen Punkt haben. Eucharistie sollte im Zentrum stehen. Die rückläufige Priesterzahl stellt sicherlich ebenfalls ein Problem da, wie die sinkende Zahl der Kirchenbesucher. Gemeinsame Gottesdienste zu feiern – an einem Ort: hier spricht nichts dagegen, solange es sich nicht herauskristallisiert, dass an einem Ort alles und an den anderen Orten nichts passiert. Denn dazu gibt es gerade in Bayern zu viele teilweise sehr alte und kostbare Gotteshäuser, die oft kostspielig saniert wurden. Hier eine Wertigkeit aufgrund der formalen Zahl der Gläubigen aufzustellen, ist ein problematisches Unterfangen.

Die Zusammenlegung von Pfarrgemeinderäten zu einem Pastoralrat ist sicherlich richtig: auf diese Weise können die Mitglieder aus den einzelnen Orten zum Verbindungsglied aus pastoraler Sicht werden. Kirchenstiftungen sollten jedoch aufgrund der Vermeidung von zu großen Ungleichgewichten durchaus separat behandelt werden. Innerhalb der Pastoralen Gemeinschaften gibt es dann ja immer noch die Möglichkeit eines Finanzausgleiches von Kirchenstiftung B an Kirchenstiftung A, als eine Art zinsloses Darlehen.